Alles nur Theater!?

Mein „Haus- und Hof-Theater“, das Theater Heilbronn, ruft auf zur Blogparade unter dem Thema „Alles nur Theater!?“ – wie könnte ich diesem Ruf widerstehen?

Als kleines Kind war ich ab und an im Ballett, durfte manchmal sogar hinter die Bühne und in die Umkleideräume der Ballerinas. Ich fand es toll! Diese ganze Atmosphäre verschlug mir den Atem und hielt mich von der ersten Sekunde an gefangen. Nach einem Umzug dann war leider keine Gelegenheit mehr zu Ballett-Besuchen und so schlief das ein. Zu Schulzeiten waren wir mit dem Deutschkurs im Theater in „Galileo Galilei“ und ich fand es toll. Und obwohl es mir wieder unglaublich gefallen hat und ich angefixt war, muss ich gestehen, dass Kino und andere Beschäftigungen in meiner Jugendzeit irgendwie wichtiger waren als Theater. Dann kam das Studium, dann die Kinder…und kaum noch Gelegenheit, ins Theater zu gehen.

Wir zogen irgendwann in die Nähe von Heilbronn. Dass es in der Stadt ein Theater gibt, wussten wir. Peinlicherweise muss ich zugeben, dass wir – ohne auch nur ein einziges Mal dort gewesen zu sein – keine Lust auf dieses „Provinzthater“ hatten. Meine Güte, ich verstehe heute gar nicht mehr, wie wir darauf kamen… *kopfschüttel* [Innerlich entschuldige ich mich übrigens bei jedem, aber auch wirklich JEDEM Theaterbesuch dafür, dass ich seinerzeit so dachte! Sorry, echt jetzt!] Im Dezember 2008  wurde ich schließlich eines Besseren belehrt: Ich war als Begleitperson mit der Schulklasse meines Sohnes in „Die Schneekönigin“ – und war sofort absolut begeistert! In der Spielzeit 2008/2009 waren wir dann noch recht oft im Theater – so oft, dass es sich lohnte, ein Theaterbuch zu scrappen, um eine Erinnerung an alle Vorstellungen zu haben, die wir gesehen haben. [Ich wollte dafür immer noch mal irgendwie versuchen, ein paar Autogramme zu bekommen von den Schauspielern, aber irgendwie, nun ja… Vielleicht klappt das ja irgendwann noch!]

Alles nur Theater

Übrigens eine Art Hass-Liebe für mich: Die Architektur des Theaters, die ich faszinierend und irgendwie hässlich zugleich finde! ;)
Bildquelle: Wikimedia Commons

Auch in den darauffolgenden Spielzeiten waren wir so oft es ging im Theater und sahen viele Stücke. Immer ohne Abo, weil uns das zu festgelegt schien. Als das Theater Heilbronn dann seine TheaterCard einführte, holten wir uns die und gehen seither noch öfter hin. Die Faszination, die das Theater auf mich ausübt, ist ungebrochen. Noch immer geniesse ich jede Aufführung. Noch immer liebe ich dieses Prickeln auf der Haut, wenn der Vorhang aufgeht und das Herzklopfen in den ersten Minuten der Aufführung. Noch immer finde ich, dass das Theater Heilbronn ein unglaublich tolles Ensemble hat. [Klar, man sieht nun nicht jeden Schauspieler und jede Schauspielerin genau so gerne wie seine Kolleginnen und Kollegen und ganz klar haben wir Vorlieben, aber das sagt ja nur was über unseren persönlichen Geschmack aus und nichts über die schauspielerischen Qualitäten. Sie sind alle einfach nur unglaublich gut!]

Wenn ich über die Jahre zurückdenke, gibt es einige Aufführungen oder Stücke, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Dazu gehört auf jeden Fall „Das ist Esther“, das war einfach toll. Außerdem „Männer gesucht“, das habe ich insgesamt wohl vier oder sogar fünf Mal gesehen. „Romy – Die Welt aus Gold“ war eine unglaubliche Inszenierung. Alle – wirklich ALLE – Kinder-Weihnachtstheater-Aufführungen waren bisher toll [und wir waren seit der Schneekönigin bei jeder!]. „Komödie im Dunkeln“, „Frohe Feste“, „Die Präsidentinnen“, „Wie im Himmel„, „Das Apartment„, „Der dressierte Mann“, „Das Ballhaus“ [Oh mein Gott, das Ballhaus war SOOOOO KLASSE!!!!], „Dracula„, „Harry und Sally“, „Eine Sommernacht“ [das wir inzwischen wohl auch schon drei Mal gesehen haben und nicht genug davon kriegen können], „Hase, Hase“, „Dänische Delikatessen“ – ach, es gibt so viele unglaublich tolle Stücke, die wir gesehen und geliebt haben, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Außerdem waren wir natürlich beim TweetUp, bei Theaterführungen, beim Tag der offenen Tür und und und… Wir waren alleine im Theater und wir waren mit den Kindern im Theater…

Aktuell liegen hier für die kommenden 3 Monate oder so noch 4 Mal Karten für Theateraufführungen und man kann inzwischen fast sagen, dass wir an jedem Wochenende im Theater sind – also, an jedem Wochenende, an dem wir die Möglichkeit dazu haben (weil die Kinder bei ihrem Papa sind zum Beispiel).

Alles nur Theater!?

Was ich spannend finde ist, dass ich inzwischen das Gefühl habe, zu sehen, wie jeder Schauspieler seine eigene Persönlichkeit in seine Rolle mit einbringt. Das finde ich unglaublich schön. Klar, man kennt die Schauspieler nicht, wie sie im „richtigen“ Leben sind [leider, denn mit der/dem einen oder anderen würde ich gerne mal einen Kaffee trinken gehen, um mal zu schauen, inwieweit meine Einschätzung Schauspieler-Mensch übereinstimmt *ggg*], aber man entdeckt immer häufiger Gemeinsamkeiten in verschiedenen Rollen des gleichen Darstellers, die ich eben auf den Menschen hinter dem Schauspieler schieben würde. [Das klingt ja jetzt abgehoben, ich denk, man versteht, was ich mein, oder?]

Wir bleiben dem Theater Heilbronn jedenfalls noch lange treu und freuen uns auf jeden weiteren Besuch. Und auch wenn mal ein Stück nicht ganz so unseren Geschmack trifft [wie „Einsame Menschen„, das wir an einem Freitag Abend gesehen haben – woraus wir gelernt haben, dass Gerhard Hauptmann nicht dafür geeignet ist, nach einer anstrengenden Arbeitswoche am Freitag Abend konsumiert zu werden!], lieben wir „unser“ Theater.

 

Kategorien: Theater

4 Kommentare

  • Bob Blume sagt:

    Ein sehr schöner Artikel. Ich finde es klasse, wie du deine eigenen Vorurteile nach und nach revidiert hast (mal abgesehen von dem etwas gewöhnungsbedürftigen Gebäude) und nun wirklich häufig gehst. Meine eigenen bestehen noch, wie man lesen kann:

    http://bobblume.de/?p=1653

    Aber ich werde versuchen, sie loszuwerden.
    Liebe Grüße

    • Bianka sagt:

      Danke für deinen Kommentar!
      Ich wünsch dir wahnsinnig viel Spaß bei Enron – das wird sicher gut! (Wir haben auch Karten für, aber leider nicht zur Premiere…)

  • Liebe Bianka, eigentlich hatten wir schon längst Deinen Beitrag kommentiert, aber irgendwie taucht der Kommentar nicht auf??? Deshalb jetzt noch einmal: Vielen, vielen Dank für diese, man kann fast sagen, Liebeserklärung an Dein „Haus- und Hof-Theater Heilbronn“. Wir fühlen uns sehr geehrt, erst recht, weil Du am Anfang solche Vorbehalte hattest, als Du unser Haus noch gar nicht kanntest und wir Dich davon überzeugen konnten, dass es sich immer wieder lohnt, zu uns zu kommen. Deine Blog-Einträge über unsere Arbeit verfolgen wir schon lange mit großem Interesse, wie Du weißt. Mittlerweile blickt man den Blogbeiträgen mit ähnlicher Spannung entgegen, wie den Kritiken in den Medien … Weiterhin viel Spaß mit uns und wir freuen uns auf Deine nächsten Blog-Beiträge über Dein Haus- und Hoftheater!

    • Bianka sagt:

      Liebe Katrin – und liebe Silke aus der Presseabteilung (die den Kommentar zuerst versucht hat zu posten),
      vielen Dank für den lieben Kommentar. Ich freue mich, dass meine „Theaterkritiken“ bei euch so gerne gelesen werden. In letzter Zeit bin ich damit etwas nachlässig, allerdings waren wir auch in den letzten Wochen nicht wirklich viel im Theater. Ab Ende Februar haben wir wieder Karten für mehrere Vorstellungen, vielleicht komm ich dann auch wieder dazu, ein wenig mehr über mein Lieblingstheater zu schreiben. ;)

Hinterlasse eine Antwort