DIY: Cover für Kindle und andere eBook-Reader aus altem Buch

Ich habe seit kurzem tatsächlich einen Kindle. Eigentlich dachte ich ja vor langer Zeit, ich brauch sowas nicht, aber ich lese nun mal gerne, auch unterwegs und ständig Bücher mitschleppen ist auch doof…

Jedenfalls bekam ich einen Kindle geschenkt und bin inzwischen froh, ihn zu haben und frage mich, was ich zuvor ohne Kindle gemacht habe. ;) Leider hat so ein Kindle ja von Haus aus keine Hülle und es gibt zwischen billig und teuer jede Menge Auswahl – die mir aber nicht wirklich zusagte bzw. konnte ich mich nicht entscheiden. Ausserdem bastel ich ja gerne und so musste – eigentlich – was Selbstgebautes her.

Ich habe einige Tage lang recherchiert und fand viele verschiedene Ideen. Keine einzige überzeugte mich vollständig und so baute ich mir aus verschiedenen Ideen meine eigene Version eines Kindle-Covers zusammen.

Orientiert hab ich mich dabei unter anderem an diesem Tutorial:

und habe aus mehreren anderen Ideen jeweils das für mich Passende herausgenommen.

Begonnen habe ich mit einem uralten Buch, das ich bereits in meiner Kindheit gelesen habe. Es war damals schon alt und leicht zerfleddert, inzwischen hat der Zahn der Zeit deutlichste Spuren hinterlassen, aber genau das machte es so wunderschön.

Zuerst habe ich das Buch auseinandergenommen, sprich den Buchblock vorsichtig herausgetrennt (gut, so arg viel rauszutrennen war da nicht mehr, es zerfiel eher alles fast schon von alleine…) und den gebundenen Rücken entfernt (der ebenfalls von beinahe allein abfiel). Die Schnitt- bzw. Risskanten habe ich dann mit Schere und Cuttermesser versäubert, damit später nichts mehr rumbaumelt und unschön aussieht.

Da ich einen Verschluß für das Cover haben wollte, habe ich ein Stück breites Gummiband zurechtgeschnitten und in die Rückseite des Umschlags mit dem Cuttermesser Schlitze gemacht, durch die das Gummiband dann befestigt wurde.
Die eingezogenen Schniepel, äh, Enden des Gummibandes mit Flüssigkleber festkleben und unter dem Gewicht einer nicht ganz taufrischen achtbändigen Ausgabe des Gabler Wirtschaftslexikon trocknen lassen.


Danach erfolglos, aber laut fluchend in der Restekiste nach einem passenden Stück Buchbinderleinen fahnden. Dieser Schritt ist optional und kann wegfallen für a) Personen, die besser organisiert sind als ich oder b) Personen, die nicht gerade aufgrund eines Umzugs nur mit halb-eingeräumten Bastelsachen hantieren.
Ein Stück Buchbinderleinen zurechtschneiden, so dass es an Ober- und Unterseite des Buches je ca. 1 cm übersteht. Von der Breite her sollte es in etwa 0,5 bis 1 cm an jedem Buchdeckel überstehen und einen Spalt zwischen den Buchdeckeln lassen von ca. Kindle-Dicke, bzw. auf jeden Fall so, dass das Buch mit den eingeklebten Seiten dann ordentlich zugeht.
Ein zweites Stück Buchbinderleinen gleicher Breite zuschneiden, das an Ober- und Unterseite je ca. 0,5 cm kürzer ist als das Buch und die Innenseite des Buchrückens ergeben wird.
Beide Teile Buchbinderleinen mit Papierkleister/Buchbindekleber festkleben, zuerst die Aussenseite (das größere Stück), dann innen bündig die Innenseite (das kleinere Stück). In den Knick muss man das Leinen ein wenig reindrücken, ist bissl fitzelig, geht aber mit ein wenig Geduld.

Wer sich näher mit dem Buchbinden beschäftigen möchte, dem kann ich „Bücher perfekt selbst binden“ von Vasco Kintzel wärmstens empfehlen. Mit ein bissl Geduld und kreativer Energie ist es gar nicht so schwer, ein Buch selbst zu binden, nach der Lektüre dieses Buches!

Das Ganze wieder eine Weile trocknen lassen, beschwert mit dem älteren Gabler Wirtschaftslexikon. Keine Ahnung, wozu das sonst gut sein sollte….

Wenn alles trocken ist und auch alle Ecken gut kleben, kann man weitermachen. Ich habe nur einen Teil des Buchblocks wiederverwendet und den Rest weggeworfen. Den Buchblock nun jedenfalls ordentlich aufeinanderlegen und leimen, wie im oben zu sehenden Video. Ist bei mir ein wenig anders als bei der Dame im Video, weil ich den Buchblock ja komplett herausgelöst hatte, so dass ich keine Seiten mehr zwischen vorderem Buchdeckel und Kindle-Aufbewahrungsteil habe… Danach kommt wieder das Wirtschaftslexikon zum Einsatz als Druckmittel. ;) Damit nichts verklebt, was nicht verkleben soll, habe ich den Buchblock mit einer Plastiktüte abgedeckt und erst dann das Gewicht draufgelegt.

Auf die Rückseite des Umschlags hab ich, damit es schicker ausschaut und weil ich ja in den Buchblock ein komplett durchgehendes Loch schnippeln wollte, eine schöne Seite des Buches festgeleimt. Wieder beschwert mit dem Lexikon trocknen lassen.

Nach angemessener Trocknungszeit des Buchblocks dann wie im Video weitermachen und den Umriss des Kindle aufzeichnen und langsam und vorsichtig Seite für Seite aus dem geleimten Buchblock schneiden. Ist das „Loch“ tief genug (bei mir geht es komplett durch), die Innenseiten leimen – wie im Video gesehen – und gleich auf den hinteren Buchdeckel aufkleben. Das Ganze dann auch wieder mit einem Gewicht gepresst trocknen lassen.

Weil ich gerne den Kindle in seiner neuen Hülle lassen wollte, auch wenn er geladen wird und weil ich auch ohne Herausnehmen an alle wichtigen Tasten des Kindle kommen wollte, die ja an der Unterseite sind, habe ich dann am unteren Ende eine Lücke in den Rahmen geschnitten und die Ränder komplett aussenrum noch einmal verleimt.

Mein in den Buchblock geschnittener Rahmen sah dann so aus:

Das Ganze habe ich nun noch offen über Nacht trocknen lassen, damit auch wirklich aller Kleber durchgetrocknet ist und nichts an meinen Kindle schmiert. Auf Wunsch kann man noch Buchecken aus Metall anbringen.

Das fertige Werk! Gefällt mir ausgesprochen gut. Mal sehen, wie es sich in der Praxis so bewährt, mein Cover oder ob ich mir noch was anderes einfallen lassen muss…

(c) blebt.blogspot.com

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