Eine Abendszene

Sohn und ich putzen gemeinsam Zähne. So ist er unter Aufsicht, macht keinen Quatsch und putzt auch tatsächlich. Naja, meistens!
Wir stehen also am Waschbecken und ich schnappe mir die Zahnbürsten. Zack, ist er weg, der Sohn! Wohin?, will ich wissen… Ah, noch eben schnell auf’s Klo. Auch recht. Derweil mach ich Zahncreme auf die Bürsten und warte.

Sohn wieder im Bad. „Zähneputzen. Hier ist Deine Zahnbürste.“
Sohn klettert auf den Badewannenrand und stürzt sich in selbstmörderischer Absicht Richtung Waschbecken. „Komm jetzt, putz mal….“
Sohn erklimmt – umständlich – den Hocker, auf den er sich setzen darf zum Zähneputzen. Ich halte immer noch beide Zahnbürsten in der Hand. „Ich würd jetzt gern putzen.“ sag ich und leg ihm seine hin. So kann ich zumidnest schonmal anfangen.

Sohnemann steigt auf den Hocker und beguckt sich erstmal interessiert im Spiegel, grimassenschneidend. (Doofe Idee, schonmal loszuputzen, denke ich und überlege, wie ich ihm mit dem Mund voller Schaum möglichst unfallfrei sagen kann, er solle sich setzen.)
Ich zupf ihn am Schlafanzug, das hilft natürlich gar nix. Ich nehm seinen Arm, schau ihm in die Augen und ziehe ein wenig nach unten.

Okay. Er sitzt! Jetzt schnell die Zahnbürste in die Hand drücken, der Kerle muss ja auch irgendwann ins Bett. Wir putzen friedlich nebeneinander. Ungefähr 10 Sekunden, dann hat er entdeckt, dass er ja noch eine zweite Hand hat und die ist gerade frei, mal gucken, was die derweil anstellen kann. Prima, er klettert also – umständlich – von dem Hocker runter und stellt sich hin. Auch recht, so lange er weiterputzt und nix anstellt….

Ich bin derweil schon fertig und spüle aus, so kann ich auch endlich wieder mit ihm reden statt nur zu zupfen. Währenddessen dreht er sich im Kreis wie ein Brummkreisel. Nein, das ist nicht gut, sage ich und schiebe ihn wieder zurück ans Waschbecken. Er spuckt seinen Zahnputzschaum aus. Nochmal, weil es so schön spritzt. Und nochmal…..

„Ach Mensch, ich hab keine Lust, hier dauernd zu putzen, mach mal vorsichtig, bitte.“ Er spuckt nochmal, okay, immerhin ein bissl weniger spritzig. Mit der Zahnbürste in der Hand klettert er – umständlich, aber das war inzwischen wohl klar, oder? – auf den Hocker und schaut, wie wunderschön verspritzt er selber nun ist. Ich zupf ihn wieder runter und bitte ihn, den Mund auszuspülen. Wasser voll auf, halbes Bad überschwemmt. „Hey, nicht ganz so doll!“ Das restliche Wasser im Becher verteilt er gewinnbringend im (und ums) Waschbecken, weil ich mal drum gebeten hatte, den ausgespuckten Schaum damit wegzuspülen. Ja, okay, ich putz dann eh nach….

Dann springt er von seinem Hocker, ganz schnell, von der Umständlichkeit der Erklimmung nix mehr zu erkennen. Und rennt Richtung Küche, um nochmal was zu trinken. Und ich? Ich schlurfe hinterher und bin müde, sooooo müde!

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Kategorien: ADS, Kinder

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