#kultup: Twittern aus dem Theater Heilbronn

Es war eine Premiere in vielerlei Hinsicht.

Premiere 1: Noch nie gab es ein #kultup (also eine Art Twitterer-Meeting im Kulturbereich) in einem Stadttheater.
Premiere 2: Die geprobte Oper „Minsk“ wurde zuvor noch nie aufgeführt.
Premiere 3: Ich war noch nie bei einem Treffen von Twitterern, Facebookern oder sonstigen Onlinern. ;)

Ein Twitterertreffen namens #kultup in meinem Lieblingstheater Heilbronn. Wie könnte ich da nicht hingehen? Zum Glück passte es terminlich auch einigermassen rein und so waren wir pünktlich um 10 Uhr im Foyer.

Hereingebeten wurden wir nach einer kurzen Einführung vom Inspizienten über den Lautsprecher mit den Worten „Die Leute mit Twitterfähigkeiten dürfen jetzt reinkommen!“. Der Regisseur stellte sich selbst und das Ensemble auf der Bühne kurz vor und erklärte ein wenig, was wir sehen würden. Und dann ging es auch schon weiter mit der Probe. Eine Stunde durften wir zusehen und zuhören – und sogar mitmachen. Der Regisseur bat die Twitterer auf die Bühne, wo sie sich unter die Statisten mischten. Theater hautnah, sozusagen. Von vorne und von hinten wurden „wir Twitterer“ dabei von mehreren Fernsehteams gefilmt und von Fotografen belauert.

Nach einer Stunde war die Probe für uns vorbei und wir wurden in die Kantine des Theaters entführt zur Nachbesprechung mit Dramaturg Johannes Frohnsdorf und Katrin Schröder, die den Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Theater betreut.

So weit, so trocken und in aller Kürze!

Ich fand das #kultup total spannend.
Erstens habe ich ein paar nette Menschen kennengelernt, denen ich auf Twitter teilweise schon eine ganze Weile folge. Die Menschen hinter dem Profil zu sehen, ist doch immer irgendwie klasse.

Zweitens natürlich wegen des Blicks hinter die Kulissen. Ich verstehe, dass weder Regisseur noch Ensemble ständig Zuschauer in den Proben haben wollen. Daher war dieser seltene Einblick, den wir bekommen durften, natürlich umso wertvoller. Als Theaterbesucherin war das für mich echt ein Mehrwert! Interessant auch immer wieder die Erklärungen des Regisseurs zum Bühnengeschehen. Dass die Proben zu großen Teilen nur mit Klavierbegleitung stattfinden und erst in den letzten Zügen mit dem Orchester gemeinsam geprobt wird. Wie die Kostüme der Statisten und Darsteller im Stück aussehen werden, da wir nur die Probenkostüme zu sehen bekamen (die allerdings, Rentierpulli sei Dank, für Gesprächsstoff und Erheiterung sorgten). Wie die Beleuchtung im Stück dann sein wird, da in den derzeitigen Proben noch mit gleichbleibender Beleuchtung gearbeitet wird. Und und und. So viele Hintergrundinfos zu bekommen war einfach klasse!

Drittens natürlich aus meiner Sicht als Social Media Managerin. Diese Möglichkeit, die Offline-Welt in die Online-Welt zu bringen – oder auch umgekehrt – war extrem spannend zu sehen. Spannend auch, wie man selber damit umgeht, nun plötzlich in einer „Vermittlerrolle“ zu sein. Es war schwer, sich auf das Geschehen auf der Bühne und gleichzeitig auf die Timeline unter dem Hashtag #kultup zu konzentrieren und dann am besten auch noch nebenbei zu twittern, weil man der Twitterwelt da draussen ja was mitteilen will und soll. Vielleicht ist das doppelt schwer bei einem #kultup in einem Theater als bei einem eher „statischen“ #kultup aus einem Museum. Das kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie bei einem Museums-Kultup war, vielleicht ist das ja auch viel weniger statisch als ich mir das vorstelle. Interessant auch, dass sich trotz allem herausfordernden Multitasking ein „Gespräch“ unter den twitternden Zuschauern entwickelte. Es war klasse, auf diese Art einen Dialog zu haben und sozusagen die Gedanken der anderen mitlesen zu können.

Beim Gespräch danach in der Kantine war dann noch viel Zeit, mit dem Dramaturgen über das Stück an sich zu reden und auch so bekam man wieder jede Menge Einblicke. Ausserdem natürlich die Unterhaltung mit Katrin Schröder, die die Idee zu diesem #kultup im Theater hatte und für fragen und Anregungen sehr offen war. Ich glaube, sie war unglaublich aufgeregt vor dieser Premiere (ich wäre es gewesen) und hat sicherlich die Nacht zuvor nicht wirklich geschlafen. Umso schöner, dass der #kultup so ein Erfolg war. Leider ist nun nicht absehbar, dass in absehbarer Zeit ähnlich wie in anderen Ländern wohl üblich im Theater Heilbronn aus den Vorstellungen getwittert werden darf. Ich kenne das Theater Heilbronn aber als unglaublich offen für Anregungen und es klang schon durch, dass es vielleicht doch ab und an mal vielleicht spezielle Events für Twitterer geben wird bis hin zu einer Wiederholung des #kultup.

Leider werden wir es nicht schaffen, die Oper „Minsk“ dann tatsächlich auch zu sehen. Termine unter der Woche gehen einfach nicht mangels Babysitter und auch für die Premiere an einem Sonntag Abend haben wir keinen, der auf die Kids aufpasst. Schade, sehr schade sogar, es wäre so spannend gewesen zu sehen, wie das dann alles mit Orchester klingt und was aus dem geworden ist, was wir in der Probe gesehen haben…

Danke an alle, die dabei waren und natürlich 1000 Dank
– an das Theater, dass wir da sein durften
– an Katrin Schröder, dass sie die tolle Idee hatte und
– an Regisseur und Ensemble, dass sie uns ertragen haben.
Ich fand es klasse und freue mich schon auf eine Wiederholung.

Für alle, die nicht dabei waren, gibt es das Storify-Board zum #kultup aus den schönsten Tweets und vielen Bildern. Ausserdem gibt es einen Radiobeitrag aus dem Deutschlandradio und auch der SWR berichtete in der Landesschau darüber. Auch bei L-TV gab es einen Beitrag (ab ca. 9:00), leider ist der nur noch bis heute Abend online. Vom SWR-Radio war wohl auch jemand da, die haben uns interviewt, aber da hab ich noch nichts gefunden…

(c) blebt.blogspot.com
Kategorien: Social Media, Theater

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