Na, ich weiß nicht so recht! – Digital im Theatersaal

Twittern beim Fernsehen. Auf Rockkonzerten. Bei Veranstaltungen. Bei Vorträgen. Von Elternabenden. ;) Das alles ist inzwischen längst Routine geworden und man wundert sich kaum noch, seine Mitmenschen über das Display geneigt zu sehen. Bei kulturellen Veranstaltungen wie klassischen Konzerten, im Museum oder auch im Theater ist das bisher noch nicht so wirklich gang und gäbe – und ich bin gespaltener Meinung, ob ich das gut finde oder eher nicht! Daher kommt mir die Blogparade mit dem Titel „Digital im Theatersaal“ von livekritik gerade recht…

Neulich lud ja das Theater Heilbronn zum Twitterertreffen #kultup ein. Wir durften eine Probe zur Oper Minsk besuchen und fleissig twittern – ich habe ausführlich davon berichtet. Ich fand die Veranstaltung klasse, sie war ein voller Erfolg in meinen Augen und ich hatte unendlich viel Spaß, darüber auch auf Twitter zu berichten.

Zwei Herzen schlagen seither in meiner Brust. Eigentlich fand ich es so cool, auch aus dem Theater twittern zu dürfen, dass ich mich zur spontanen Äußerung hinreissen ließ, ich würde das ab sofort immer wollen. Ich fand den Dialog, der sich zwischen den Zuschauern ergab, sehr bereichernd. Ich fand die Hintergrundinfos zum Stück toll, die von den Veranstaltern kamen. Ich fand es schön, die Twitterwelt an meinen Gedanken zu dem Stück teilhaben zu lassen. Es wäre schön, das öfter tun zu können und ich denke, das würde so einen Theaterbesuch auf gewisse Weise auch bereichern und die „Berichterstattung“ auf Twitter könnte den einen oder anderen Zweifler doch noch davon überzeugen, dieses oder jenes Stück sehen zu wollen.

Auf der anderen Seite muss ich ehrlich zugeben, dass ich froh war, dass in der Probe die Szene wiederholt wurde. Ich musste meine Aufmerksamkeit auf Twitter, meine eigenen Tweets und das Geschehen um mich herum sowie auf der Bühne aufteilen. Ich KANN Multitasking (ich hab drei Kinder!), aber das war einfach nicht ganz im Sinne des Erfinders. Ich habe vom Stück selber nicht wirklich alles mitbekommen und ganz eigentlich (im tiefsten Grunde meines theaterliebenden Herzens) hätte ich mich lieber auf das Probengeschehen konzentrieren wollen, fühlte mich aber irgendwie in der Pflicht, mitzutwittern.

Ich hab keine Ahnung, wie sehr sowas die Schauspieler ablenken kann, kann mir aber schon vorstellen, dass es nervt. Davon abgesehen, dass dann eben das „schwarze Loch“ fehlt, in das man als Schauspieler normalerweise hineinspielt, würde es mich persönlich nerven, wenn mir eigentlich die 100%ige Aufmerksamkeit zustehen sollte und jemand dann aber mit seiner Nase im Bildschirm hängt. Die Menschen da auf der Bühne arbeiten und es ist sicher keine leichte Arbeit, eigentlich haben sie also meine volle Aufmerksamkeit verdient.

Ich würde auch nicht wollen, dass meine Schüler twittern, während ich ihnen was erkläre oder erzähle. Wobei ich nicht gegen neue Medien im Unterricht bin, ich denke, auch mit Twitter kann man tolle Unterrichtskonzepte gestalten. Aber eben genau das ist es: neue Unterrichtskonzepte wären dafür gefragt! Bisherige Konzepte sind größtenteils auf Frontalunterricht ausgelegt und auf konsumieren. Und auch im Theater konsumiert man ja eigentlich nur.

Mein ganz persönliches Fazit ist, dass ich das definitiv NICHT immer würde machen wollen aus den regulären Vorstellungen, die wir anschauen. Ich bezahle Geld für die Karte und möchte mir die Vorstellung ansehen und möglichst viel davon mitbekommen und mitnehmen. Allerdings kann ich mir persönlich sehr gut eine Regelung vorstellen, dass es spezielle Aufführungen mit Twittererlaubnis gibt oder dass Twitterer als „Theaterbotschafter“ eine der letzten Proben besuchen dürfen. Es muss also vielleicht einfach ein neues Theaterkonzept her. Nicht für alle Vorstellungen ganz generell, aber eben ein Konzept, das die neuen Medien und die Möglichkeiten, die sie eröffnen, mit einbindet. Nur, weil Theater schon immer so gemacht wurde, muss das ja nicht heißen, dass es sich nicht weiterentwickeln darf. (Das gilt nämlich auch für die Schule, die ja auch schon immer so gemacht wurde und wo jeder eine Weiterentwicklung fordert, die auch unsere schöne, neue, bunte, digitale Welt mit einschließt!) Ich bin gespannt, wie sich das in „meinem“ Theater weiterentwickelt und freue mich, irgendwie ein bisschen Teil davon zu sein…

(c) blebt.blogspot.com
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Kategorien: Social Media, Theater

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