Politische Aussagen im Interview vs. die Realität

So, zurück aus den Ferien und aus dem Urlaub geht es nun frisch auf ins neue Schuljahr – und damit auch wieder aktiver ans Bloggen.

Passend zum beginnenden neuen Schuljahr habe ich gerade ein Interview mit der baden-württembergischen Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer gelesen und musste mich doch sehr wundern, wie weit entfernt ihre tollen Aussagen von der erlebten Wirklichkeit abweichen.

Nur mal ein paar kleine Ausschnitte möchte ich da herausgreifen…
Frau Warminski-Leitheußer sagt: „Die Unterrichtsversorgung – das Rückgrat erfolgreicher Bildungspolitik – wird im kommenden Schuljahr an allen Schulen gestärkt. […] Trotz des enormen Rückgangs von rund 51.000 Schülerinnen und Schülern stellen wir im Schuljahr 2012/13 etwa 4.700 Lehrerinnen und Lehrer ein. Das sind fast so viele wie im vergangenen Jahr. Damit bleiben rund 3.300 Lehrerstellen, die durch die reduzierte Schülerzahl rechnerisch wegfallen würden, nahezu vollständig im System erhalten und sichern die Unterrichtsversorgung.“

Dazu passend möchte ich mal aus dem Rundschreiben unseres Gymnasiums-Direktors zitieren: „Wer letztjährig unsere Schulchronik aufmerksam gelesen hat, weiß ja schon, dass ungewöhnlich viele, z.T. sehr langjährige, Kolleginnen und Kollegen unsere Schule verlassen haben, z.B. weil sie altershalber ausgeschieden sind, Erziehugnsurlaub beantragt haben, versetzt wurden oder weil Krankheitsvertretungen beendet wurden. […es folgt die Aufzählung von 12 Lehrkräften, die die Schule verlassen haben…] Die Erteilung des Pflichtunterrichts ist gesichert, allerdings teilweise nur durch die Übernahme etlicher sogenannter Bugwellenstunden bei unseren Kolleginnen und Kollegen. Mit weiteren Zuweisungen ist in diesem Schuljahr nicht zu rechnen, sofern keine krankheitsbedingte neue Situation eintritt.“

Okay, der Doppeljahrgang ist durch (das macht laut Aussage des Rektors etwa 80 Schüler weniger), in den Jahrgangsstufen sind damit insgesamt nur noch knapp 140 Schüler, aber warum von dem 12 ausscheidenden Lehrkräften keine einzige ersetzt wird, wo doch so viele neue Kräfte eingestellt werden, ist mir ein wenig schleierhaft. Aber sind wir mal dankbar, immerhin kommt eine Kollegin aus der Beurlaubung zurück und die fünf Referendare, die schon im zweiten Halbjahr des letzten Schuljahres an der Schule waren, unterstützen die verbliebenen Lehrkräfte auch weiterhin. *ironie off*

Was der Rektor da in seinem ersten Rundbrief schreibt, heisst für mich als Mutter, dass ausfallende Stunden nicht vertreten werden, sondern so umgeschichtet, dass die Kinder entweder erst zur zweiten Stunde Unterrichtsbeginn haben oder bereits nach der fünften Stunde Schulschluss, so wie in der fünften Klasse meines Sohnes heute am ersten Unterrichtstag. Oder sogar beides, wie bei meinem Sohn bereits morgen am zweiten Unterrichtstag der Fall. Pflichtstunden sind gesichert, was ausfällt, fällt eben aus. So ist das, liebe Frau Kultusministerin.

Interessant auch die Aussage der Ministerin zum Thema Grundschulempfehlung: „Wir lassen die Eltern ja jetzt nicht alleine in diesem wichtigen Entscheidungsprozess. Im Gegenteil, zum einen stärken wir ihre Rechte und zum andern unterstützen wir sie sehr viel intensiver als das früher der Fall war, indem wir die fachliche Beratung durch die Lehrkräfte ausgebaut haben.“

Fachliche Beratung durch die Lehrkräfte? Ich hab davon nichts gemerkt, als ich zum Elterngespräch betreffend der Empfehlung war Ende letzten Schuljahres. Die Lehrerin sagte mir, welche Noten mein Sohn hat und welche Empfehlung für eine weiterführende Schule sich daraus ergeben würde, fragte, an welcher Schule ich ihn anmelden wolle und hörte sich meine Argumente dazu an. Das war es. Keine Beratung, nichts – und das, obwohl ich nicht der Empfehlung gefolgt bin!

Ich weiß ja nicht, in welcher Schule diese Ministerin geschaut hat, wie toll die Politik ist, die sie macht. Von der erlebten Wirklichkeit scheint sie aber ein gutes Stück entfernt zu sein, wenn ich das mal so sagen darf! Und ich erlebe ja nicht nur eine Schule, sondern durch meine Arbeit in der Sprachförderung noch mehrere Grundschulen, an denen es genauso läuft! Als Mutter und Lehrerin kann ich nur sagen: „Danke auch, liebe Frau Ministerin!“ und kopfschüttelnd von dannen ziehen…

(c) blebt.blogspot.com
Kategorien: Kinder, Schule

1 Kommentar

  • Nate sagt:

    Naja, aber die Lehrerin die Dich hätte beraten sollen war ja auch sonst wenig hilfreich. (Wir wollen hier ja niemanden öffentlich GANZ schlecht machen.)
    Ansonsten: Traurig!

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